
Pfeffer Florian (2014): To Do: Die neue Rolle der Gestaltung in einer veränderten Welt
Kunst macht Schule
Kunstvermittlung Kunstmuseum St.Gallen
Ein Erlebnisbericht:
Mit freudiger Erwartung sind die Kinder des Lernforums Kunst und Musik anfangs September 2020 nach St. Gallen ins Kunstmuseum gereist. Mit Staunen und Neugierde wurden die Kunstwerke und Räume erkundet. In einem für die Kinder besonders eindrücklichen Raum im Kirchhoferhaus trafen wir auf unseren Künstler Andy Storchenegger und auf das Bild von Hanspeter Hofmann mit dem Kopf eines Gorillas.

Die Reaktionen darauf waren sehr unterschiedlich:
«Mir ist aufgefallen, dass der Künstler ein moderner Künstler ist».
«Ich habe mich gefragt, wie die Farbe aufgetragen wurde. Es war beim genauen hinsehen eine ganz einfache Lösung und es ist faszinierend wie die Schichten wirken».
«Für mich haben Bilder Rahmen und das Bild hatte einfach keinen. Das war neu für mich».
Mit den Erinnerungen an diese Eindrücke trafen wir uns für die Zusammenarbeit mit Andy im Atelier des Lernforums in Rapperswil. Mit einem Einblick in seine Bildersammlung zu Masken aus aller Welt zeigte Andy das ganze Spektrum von «schönwüescht» und der Bedeutung von Masken und Kostümen in verschiedenen Kulturen auf. Dieses Thema ist für Andy eine wesentliche Inspirationsquelle für seine eigene künstlerische Arbeit. Die Verbindung zum Tierreich hat dabei eine besondere Bedeutung. Mit Schmunzeln und Irritation, mit Begeisterung und Interesse sind die Kinder den Ausführungen gefolgt.
Mit einer plastischen Übung sind wir in den Gestaltungsprozess eingestiegen. Verschiedene präparierte Tiere wurden genau betrachtet, Merkmale beschrieben und skizziert. Mit einem Klumpen Ton und der Aufforderung aus Merkmalen von zwei Tieren eine eigene Fabelkreatur zu entwerfen lancierte Andy die eigengestalterische Arbeit der Kinder.
In den darauffolgenden Nachmittagen wurde das Ziel eine eigene Maske zu entwickeln verfolgt. Dabei galt es tierisches mit den eigenen Proportionen des Gesichts zu vermengen und eine eigene Kreatur entstehen zu lassen. Es wurde mit Konzentration und Engagement gezeichnet, modelliert und verändert. Die dabei entstandenen Masken aus Ton sind sehr vielseitig und je eigenständig. Nach dem Rohbrand dienten die Tonmasken als Vorlage fürs Tiefziehen einer Maske aus Kunststoff. Dieses Verfahren war für alle ausser Andy neu und so hatte er alle Hände voll zu tun, bis auch die formkomplexeste Maske in leichter Plastikversion auf dem Tisch lag.
Die Auseinandersetzung mit der eigenen Kreatur war ein wesentlicher Bestandteil der Lektionen. So haben die Kinder sich in die Figur hineinversetzt. Sich überlegt, wie sie sich bewegt, welche Geräusche sie von sich gibt, welchen Charakter ihr zugesprochen wird, wie sie sich verhält…usw.
Es wurden Attribute der Figur ausgearbeitet, welche in einfacher Form als Kostüm dienten.Die Masken aus Ton wurden inspiriert vom Bild des Gorillas glasiert. Die Masken aus Kunststoff entsprechend dem Charakter der eigenen Figur bemalt.
In einer Parade- dem «Fabelforum» – marschierten die eigenwilligen Figuren der alten Stadtmauer, unter dem Schloss Rapperswil entlang. Jede Figur erhielt im dabei entstandenen Video einen individuellen kleinen Auftritt. Im Anschluss wurde die Parade mit Geräuschen und eigenen Melodien vertont. Das Suchen nach aussagekräftigen, den Charakter der Figur unterstützenden Klängen war für die Kinder eine ganzheitliche Auseinandersetzung mit der eigenen Figurenentwicklung.
Es zeigt idealtypisch die Arbeitsweise im Lernforum Kunst und Musik an der Primarschule Rapperswil – Jona auf. Ästhetische Bildung in den Bereichen Musik und Kunst mit herausfordernden Lerneinheiten anstossen, worin die Kinder individuelle Lösungswege suchen und umsetzen. Das Projekt «Kunst macht Schule» war eine echte Bereicherung. Die Kinder sind sich einig, dabei vieles gelernt zu haben. Dazu ein paar Aussagen der Kinder:
…, kreativ sein können, etwas eigenes Erfinden.
…, etwas wieder und wieder versuchen, bis es klappt.
…, stolz sein auf das was entstanden ist.
…, Es war ganz anders als gedacht und recht gut herausgekommen.
…, dass das was mir machen an einem recht grossen Ort ausgestellt wird.
…, dass Kunststoff mit Wärme gezielt verformt werden kann.
…, dass wir jetzt etwas Richtiges gemacht haben, was auch Künstler machen.

























