verbindendes_


Pfeffer Florian (2014): To Do: Die neue Rolle der Gestaltung in einer veränderten Welt

Kunst macht Schule

Kunstvermittlung Kunstmuseum St.Gallen

Ein Erlebnisbericht:

Mit freudiger Erwartung sind die Kinder des Lernforums Kunst und Musik anfangs September 2020 nach St. Gallen ins Kunstmuseum gereist. Mit Staunen und Neugierde wurden die Kunstwerke und Räume erkundet. In einem für die Kinder besonders eindrücklichen Raum im Kirchhoferhaus trafen wir auf unseren Künstler Andy Storchenegger und auf das Bild von Hanspeter Hofmann mit dem Kopf eines Gorillas.

Die Reaktionen darauf waren sehr unterschiedlich:

«Mir ist aufgefallen, dass der Künstler ein moderner Künstler ist».

«Ich habe mich gefragt, wie die Farbe aufgetragen wurde.  Es war beim genauen hinsehen eine ganz einfache Lösung und es ist faszinierend wie die Schichten wirken».

«Für mich haben Bilder Rahmen und das Bild hatte einfach keinen. Das war neu für mich».

Mit den Erinnerungen an diese Eindrücke trafen wir uns für die Zusammenarbeit mit Andy im Atelier des Lernforums in Rapperswil. Mit einem Einblick in seine Bildersammlung zu Masken aus aller Welt zeigte Andy das ganze Spektrum von «schönwüescht» und der Bedeutung von Masken und Kostümen in verschiedenen Kulturen auf. Dieses Thema ist für Andy eine wesentliche Inspirationsquelle für seine eigene künstlerische Arbeit. Die Verbindung zum Tierreich hat dabei eine besondere Bedeutung. Mit Schmunzeln und Irritation, mit Begeisterung und Interesse sind die Kinder den Ausführungen gefolgt.

Mit einer plastischen Übung sind wir in den Gestaltungsprozess eingestiegen. Verschiedene präparierte Tiere wurden genau betrachtet, Merkmale beschrieben und skizziert. Mit einem Klumpen Ton und der Aufforderung aus Merkmalen von zwei Tieren eine eigene Fabelkreatur zu entwerfen lancierte Andy die eigengestalterische Arbeit der Kinder.

In den darauffolgenden Nachmittagen wurde das Ziel eine eigene Maske zu entwickeln verfolgt. Dabei galt es tierisches mit den eigenen Proportionen des Gesichts zu vermengen und eine eigene Kreatur entstehen zu lassen. Es wurde mit Konzentration und Engagement gezeichnet, modelliert und verändert. Die dabei entstandenen Masken aus Ton sind sehr vielseitig und je eigenständig. Nach dem Rohbrand dienten die Tonmasken als Vorlage fürs Tiefziehen einer Maske aus Kunststoff. Dieses Verfahren war für alle ausser Andy neu und so hatte er alle Hände voll zu tun, bis auch die formkomplexeste Maske in leichter Plastikversion auf dem Tisch lag.

Die Auseinandersetzung mit der eigenen Kreatur war ein wesentlicher Bestandteil der Lektionen. So haben die Kinder sich in die Figur hineinversetzt. Sich überlegt, wie sie sich bewegt, welche Geräusche sie von sich gibt, welchen Charakter ihr zugesprochen wird, wie sie sich verhält…usw.
Es wurden Attribute der Figur ausgearbeitet, welche in einfacher Form als Kostüm dienten.Die Masken aus Ton wurden inspiriert vom Bild des Gorillas glasiert. Die Masken aus Kunststoff entsprechend dem Charakter der eigenen Figur bemalt.


In einer Parade- dem «Fabelforum» – marschierten die eigenwilligen Figuren der alten Stadtmauer, unter dem Schloss Rapperswil entlang. Jede Figur erhielt im dabei entstandenen Video einen individuellen kleinen Auftritt. Im Anschluss wurde die Parade mit Geräuschen und eigenen Melodien vertont. Das Suchen nach aussagekräftigen, den Charakter der Figur unterstützenden Klängen war für die Kinder eine ganzheitliche Auseinandersetzung mit der eigenen Figurenentwicklung.

Es zeigt idealtypisch die Arbeitsweise im Lernforum Kunst und Musik an der Primarschule Rapperswil – Jona auf. Ästhetische Bildung in den Bereichen Musik und Kunst mit herausfordernden Lerneinheiten anstossen, worin die Kinder individuelle Lösungswege suchen und umsetzen. Das Projekt «Kunst macht Schule» war eine echte Bereicherung. Die Kinder sind sich einig, dabei vieles gelernt zu haben. Dazu ein paar Aussagen der Kinder:

…, kreativ sein können, etwas eigenes Erfinden.

…, etwas wieder und wieder versuchen, bis es klappt.

…, stolz sein auf das was entstanden ist.

…, Es war ganz anders als gedacht und recht gut herausgekommen.

…, dass das was mir machen an einem recht grossen Ort ausgestellt wird.

…, dass Kunststoff mit Wärme gezielt verformt werden kann.

…, dass wir jetzt etwas Richtiges gemacht haben, was auch Künstler machen.

Video: Andy Storchenegger, Judith Rüegg

dilettantisches_


Krogerus Mikael, Tschäppeler Roman (2021): Machen, Eine Anleitung fürs Loslegen, Dranbleiben und zu Ende führen

Ein Plädoyer fürs schwache Subjekt’

Im Gegenzug zum starken Subjekt, wie es Braun, Fuchs und Taube im gleichnamigen Buch vertreten, plädiere ich für die Betrachtung des Menschen als ‘schwaches Subjekt’. Ich sehe darin Chancen für eine gewisse Freiheit im Tun und Entspannung im Anspruch an Leistung und dem Umgang mit dem Scheitern.

In Bezug auf die Ausgangslage Welt zu gestalten, eine für mich entscheidende Grundhaltung. Die Philosophen Pier Aldo Rovatti und Gianni Vattimo vertreten die Ansicht den Menschen als ein ‘schwaches Subjekt’ zu sehen, das sich in immer neuen Anläufen entwirft. Welches sich nicht auf die absoluten Wahrheiten berufen kann, sondern anerkennen muss, dass es selbst nur ein Wesen ist, das sich seiner Beschränkungen bewusst ist.

Diese Ansicht ist auch in pädagogischen Kontexten zu beobachten, ein Vertreter davon ist Roland Reichenbach Erziehungswissenschaftler der Uni Zürich.

«Da das Universum der Inkompetenz prinzipiell viel größer ist als jenes der Kompetenz, um es mit Marquard (1981) zu sagen, da also auch der Einzelmensch Zeit seines Lebens – und mag er sich noch so viele Kompetenzen auf verschiedensten Gebieten aneignen – zur Inkompe- tenz verdammt ist, scheint es gerechtfertigt, dieses Faktum auch in der bildungs-, identitäts- und subjekttheoretischen Diskussion zu berücksichtigen und es nicht nur als Störvariable bzw. das zu Überwindende anzusehen.»

Roland Reichenbach

Sich als Dilettant betätigen, heißt

  • sich versuchen,
  • sich auf etwas einlassen, eine Sache seiner selbst willen ausüben,
  • sich mit Leidenschaft zuzuwenden,
  • sich und andere begeistern,
  • sich seiner Unzulänglichkeiten bewusst sein.

Eine Chance im Gestalten von Welt, da sich diese Haltung durch unbefangenes und neugieriges Einlassen auf ein neues, fremdes Tätigkeitsfeld auszeichnet. Konventionen in Frage stellt und Sichtweisen durch genaue Beobachtung erweitert. Ich sehe dies innerhalb eines Gestaltungsprozesses als wertvolle Ressourcen.

partizipatives_

Pfeffer Florian (2014): To Do: Die neue Rolle der Gestaltung in einer veränderten Welt

Das gemeinsame Schaffen starker Momente

…

durch Kollaboration und Teilhabe.

Zwei Begriffe und meine Zugänge dazu.

Der Begriff Partizipation (lateinisch participatio, „Teilhaftigmachung, Mitteilung“, aus pars, „Teil“, und capere, „fangen, ergreifen, sich aneignen, nehmen usw.“[1]) wird übersetzt mit Beteiligung, Teilhabe, Teilnahme, Mitwirkung, Mitbestimmung, Mitsprache, Einbeziehung usw. (wikipedia)

Im Zusammenhang mit dem aufgeworfenen Thema ‘Welt gestalten’ erscheint mir die zweite Worthälfte besonders bedeutsam. Fangen, ergreifen, ich fange den Ball, welcher mir in einem Spiel zugeworfen wird. In diesem Moment kann ich als Individuum entscheiden, ob ich den Regeln des Spiels entsprechend den Ball weiterspiele, in diesem kurzen Moment liegt das Spiel in meinen Händen und ich kann über den weiteren Verlauf bestimmen – als eine Vergegenwärtigung meiner eigenen Wirksamkeit. Ebenso verhält es sich mit dem Ergreifen einer Chance, auch hier verweist das Wort auf eine Handlung, die ich im übertragenen Sinne mit den Händen ausführe. Das ‘sich Aneignen’ enthält den Aspekt des Lernens. Für meine pädagogische Arbeit ist dieser Teilaspekt des Wortes wichtig, da es in Vermittlungsprozessen immer auch darum geht zu befähigen, mit einer Lernumgebung individuelles Lernen anzustossen und den Lernenden zu ermöglichen Kompetenzen aufzubauen.

Als zweiten passenden Begriff wähle ich den der Kollaboration, da dabei alle am Endergebnis der Zusammenarbeit schöpferisch beteiligt sind. Mitbestimmung- und Gestaltung sind wesentliche Handlungsprinzipien fürs gemeinsame Anpacken in kultureller Teilhabe.

Im Text Interaktion und Partizipation als Handlungsprinzip  Ein gemeinsamer Selbstversuch auf kubi online werden folgende Gedankengänge und Fragen in den Raum gestellt:

«Teil-nahme, Teil-habe und Teil-sein, dies alles verweist auf ein Ganzes und wirft die Frage auf, was dieses Ganze denn ist. Wo endet und beginnt es? Wenn Menschen an Kunst und Kultur teilhaben bzw. an kulturellen Bildungsangeboten partizipieren oder kulturelle Bildungsorte aufsuchen, welchen Teil des Ganzen nehmen sie (ein)?»

In diesem Kontext stelle ich eine Aktion von ZündWerk (Regula Pöhl und Daniela Villiger) an der Kulturnacht in Rapperswil-Jona vor.

Lichtspiel – poetische Inszenierung auf dem Wasser von ZündWerk plus

Ein partizipatives Projekt mit Menschen aus Rapperswil – Jona. Mit diesem Aufruf luden wir zu einem Workshop ein:

«Wir suchen nach interessierten Menschen, die tatkräftig die Kultur der Stadt mitprägen. Ab 10 Uhr steht Material und Werkzeug bereit und unter fachkundiger Anleitung wird gemeinsam gebaut. Wir bauen mit Bambus und Folie schwimmende Leichtbau – Objekte. Komm vorbei und mach mit!»

Eine einfache Grundtechnik zum Bau von Volumen und Formen ermöglicht es allen Interessierten ihren Teil zum Werk beizutragen. Aus Bambusstäben, Klebeband und Klarsichtfolie wurden von 30 Personen unterschiedlichen Alters 11 grosse Leichtbau Objekte gebaut.

Foto: Regula Pöhl, Zeughausareal, Baumaterial

Gemeinsames Bauen individueller Figuren und Formen.

Transport aufs Wasser. Bau der Schwimmkörper. Alle konnten ihre Kompetenzen dort einbringen wo Zeit und Ressourcen zur Verfügung standen.

ZündWerk erstellte aus den entstandenen Formen eine Szenografie für das Lichtspiel auf dem Wasser.

Testlauf auf dem Wasser.  Platzierung der Objekte an ihrem Einsatzort.

Lichtspiel Durchführung 18.9.2021 um 22 Uhr in der Seebadi Rapperswil.

Es war als hätten wir die Zeit für einen kurzen Moment angehalten. Poesie auf dem Wasser.

Video: Sven Schnyder, Formenreihe trifft Vulkane

Wie haben wir Teilhabe an diesem kulturellen Projekt ermöglicht?

  • Beteiligung durch Zeit und Arbeit.
  • Alle Beteiligten sind ein ko produktiver Faktor der Werkentstehung.
  • Teilnehmende durch Befähigung, zur Beteiligung ermächtigen (Diese können in den Rahmenbedingungen/ in der Gestaltung des Angebots bestimmt werden).

In einer bürgerlich geprägten Stadtpolitik stiess dieses Projekt erst auf Widerstand, durch die gezeigte Hartnäckigkeit von unserer Seite, konnte eine Veränderung der Positionen angestossen werden. Dabei wurden Schlagworte, welche auf der politischen Agenda erscheinen eingefordert und mit Konkretem gefüllt.

Beobachtung und abschliessendes Statement:

Durch Beteiligung kann die gesellschaftliche Wirkkraft erhöht werden.

utopisches_

Pfeffer Florian (2014): To Do: Die neue Rolle der Gestaltung in einer veränderten Welt

Wie wollen wir unsere Zukunft gestalten?

Ann-Katrin Günzel

Die Kunstwissenschaftlerin Ann-Katrin Günzel stellt diese Frage im Kunstforum Bd. 275 06/7 2021. Ihrer Einschätzung zu folge scheinen wir derzeit nichts Dringenderes zu benötigen als Utopien – Ideen, Hoffnungen und Pläne, wie es weitergehen könnte. Sie spricht der Kunst und Kultur die Kompetenz zu, hier durch alternative Weltentwürfe das Blickfeld zu erweitern und Möglichkeitsräume zu eröffnen. Sehnsüchte und Alternativen könnten dadurch gleichermassen sichtbar gemacht werden. Die Gestaltungsentwürfe böten Anlass und Potential zur Entwicklung neuer Lebensweisen und Strukturen für ein anderes Zusammenleben.

Soll das Gestalten von Zukunftsentwürfen ausschliesslich an die Kunst delegiert werden, oder haben wir nicht alle etwas dazu zu sagen? Wie kann dieser Ansatz in die Schule gebracht werden?

Wie können Menschen befähigt werden eigenen Vorstellungen und Wünschen eine Form zu geben, gemeinsam über Zukünftiges nachzudenken und Utopisches im Modell sichtbar zu machen?

Aus meiner Sicht ein wesentlicher Bestandteil von kultureller Bildung. Dazu gehört, den Kindern die Erfahrung zu ermöglichen, dass aus einer Idee etwas werden kann. Dazu gehört das Ergründen der eigenen Vorstellungskraft, diese zu kennen und nutzen zu lernen. Die eigene Umwelt wahrzunehmen, Zusammenhänge zu erfassen und Möglichkeiten der Partizipation zu ergreifen. Die Schule kann ihre Verantwortung dabei nutzen den Kindern eine Palette an Erfahrungen, einen Kompetenzaufbau dazu ermöglichen.

Unser Alltag, unser Leben wird geprägt von analogen wie digitalen ‚Dingen‘ und Räumen, welche uns umgeben. Diese selbst zu Gestalten ermöglicht uns Einfluss auf die eigene Umwelt zu nehmen. Dabei werden die Auswirkungen der eigenen Tätigkeit unmittelbar erlebt. Schülerinnen und Schüler erfahren so Selbstwirksamkeit und lernen sich und ihre Umwelt besser kennen. Dem Analysieren von bereits Bestehendem messe ich dabei eine wichtige Bedeutung zu. Das Design eines Produktes wird durch Form- und Farbgebung (Gestaltungselemente), Material, Funktionalität, und Konstruktion bestimmt. Diese zentralen, wahrnehm- und benennbaren Aspekte von Design können dementsprechend im Kompetenzaufbau genauer angesehen und geübt werden. Sie bieten darüber hinaus auch Orientierungspunkte, um eigenen Vorstellungen eine Form zu geben. Vorstellungen ins Ungewisse / Bilder ins Offene zu entwickeln. Oder wie in der eingangs abgebildeten Grafik mögliche Zukünfte mit wahrscheinlichen Zukünften zu verbinden.

Foto: Regula Pöhl, Hausfassade in Biel CH

Umsetzungen dazu aus meinem Unterricht:

Auftrag   
Architekt*in sein......  
Es gibt unterschiedliche Räume, welche unterschiedliche Tätigkeiten und Bedürfnisse abdecken. Räume für:  
Schutz, Rückzug, Besinnung, Konzentration, Begegnung, Echoraum, Resonanzraum, Tanz, Schlaf, Spiel ......  
  
Wie würde mein Raum für …... aussehen? Für welche Tätigkeit, welches Bedürfnis möchte ich einen Raum entwickeln? Wie würde sich dies räumlich zeigen, was müsste der Raum dafür leisten?
 
Entwickeln Sie Ihre Idee mit dem vorgegebenen Material in einem Modell für die beigelegte Figur. Die Figur ist im Massstab 1:87 im Modellbaumassstab H0.  Dieser Massstab muss in Ihrem Modell nicht zwingend eingehalten werden. Es geht darum, Figur und Raum in ein aufeinander abgestimmtes Verhältnis zu bringen. Dieses Verhältnis kann auch übertrieben sein, um die Wirkung zu verdeutlichen.

Einige Eindrücke zur Aufgabe Raum mehr dazu hier.

Projekt 6. Klasse zu Zukunftsvisionen folgt. Wie leben wir in Zukunft? (Gerade in Erarbeitung)

grundsätzliches_

Krogerus Mikael, Tschäppeler Roman (2021): Machen, Eine Anleitung fürs Loslegen, Dranbleiben und zu Ende führen

Woher kommen die Ideen?

Im Zusammenhang von Kommunikation und Vernetzung stelle ich in diesem Beitrag das Suchen nach Antworten im Dialog ins Zentrum. Antworten auf eine Frage im Gespräch erschliessen, ist in meinem beruflichen Kontext eine mir wesentliche Herangehensweise, um etwas zu Ergründen.

Woher kommen die Ideen? Für die Gestaltung von Welt eine interessante, grundlegende Frage. Als Kunstschaffende und Dozent:innen der Pädagogischen Hochschule St. Gallen interessiert uns der Ursprung von Ideen in Bezug auf die Bildung und die eigene künstlerische Arbeit. Zeit also, Erfahrungen zu reflektieren und Möglichkeiten für gezielte Lernerfahrungen anzuregen. Eine gemeinsame Spurensuche zwischen Regula Pöhl und Daniel Schuoler.

Zeichnung: Jazmin 9J.

Regula Pöhl: Auf die Frage woher kommen die Ideen fällt mir eine Antwort einer Schülerin aus der 5. Klasse ein. Laut ihrer Vorstellung wird alles was man wahrnimmt, gefiltert und über die Gefühle gesteuert an unterschiedlichen Orten im Gehirn abgespeichert. Unter anderem befindet sich im Kopf ein Lagerraum für Ideen und ein Phantasieraum. Eine komplexe, aufschlussreiche Vorstellung, welche ich gut nachvollziehen kann. Ein Denkprozess, welcher von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird. Ausgehend von der Wahrnehmung der eigenen Lebenswelt.

Wie sieht es bei deiner Arbeit als Künstler aus? Woher kommen deine Ideen?

Daniel Schuoler: Am Anfang steht die Wahrnehmung und damit die Ästhetische Erfahrung. Ich nehme mit meinen Sinnen wahr und beginne zu verknüpfen und zu vernetzen. Es braucht eine Frage, ein «Problem». Auf jeden Fall ist eine Idee zuerst immer eine Vorstellung, also Imagination. In die Imagination gelangen sie aus einer Mischung aus Wahrnehmung, Erfahrung und Intuition. So entsteht für mich eine Situation aus Beweglichkeit und Flexibilität, dazu braucht es Risikobereitschaft.

Regula Pöhl: Eine Idee haben, ist ja erst der Anfang oder zumindest nur ein Teil davon. Wie entwickelt sich bei dir die Arbeit zu einem Werk? Gibt es da Parallelen zur Unterrichtstätigkeit?

Daniel Schuoler: Ja, da tauchen Parallelen in den Prozessen auf. In meiner künstlerischen Arbeit gibt es bestimmte Phänomene, die mich beschäftigen, die ich versuche zu bearbeiten. Ich lese viel, mache mir daraus Gedanken und aus den Gedanken Notizen. Dann beobachte ich, pflege einen eigenen Blick. Die Beobachtungen halte ich oft fotografisch oder als Skizze fest. Es sind dann Impulse aus meinen Beobachtungen, die mich «ästhetisch reizen». Also steht auch hier zu Beginn eine Frage, eine Herausforderung. Ich gehe also bereits von einer eingegrenzten Situation – einem Thema – aus. Meistens muss ich dann während des Prozesses weiter ausdehnen und dann wieder eingrenzen, konkretisieren, auf den Punkt bringen. Irgendwo da, entwickelt sich die «Idee». Beim Unterrichten muss ich mir auch überlegen, bzw. herausfinden, wo die Personen stehen, mit denen ich arbeite. Welchen Impuls kann ich geben, so, dass Sie sich individuell entwickeln können? Man sollte immer mit dem Eigenen andocken – und dann bestenfalls daraus neue Fragen generieren – können.

Du arbeitest unter dem Namen «ZündWerk»; wo oder wann würdest du sagen, entsteht die Idee? Wo oder wann zündet es?

Regula Pöhl: Es zündet bei mir dann, wenn Resonanz entsteht zwischen der Beobachtung, der aufmerksamen Wahrnehmung des Alltags und der eigenen Imagination. Dies ist ein andauerndes Wechselspiel. Eine Annäherung an eine Idee, welche bei genügender Resonanz zu einem Projekt wird, das wir planen und umsetzen. Wir arbeiten zu zweit und inszenieren Denk- und Handlungsräume, welche Interaktionen mit den Betrachtenden herausfordern. Die Aktionen sind flüchtig, situiert im Alltag, zwischen Irritation und Normalität.

In meiner Arbeit als Kunstschaffende kann ich die Auseinandersetzung mit dem Ungewissen und die Bereitschaft fürs Risiko üben. Beides nicht zu unterschätzende Bestandteile des Unterrichtens. So sehe ich die Aufgabe der Didaktik im Gestaltungsbereich auch in der Vorbereitung darauf, sich auf all die kleinen, ungewissen Reaktionen und Situationen im Unterrichtsgeschehen einzulassen um diese für eine positive, bestärkende Lernatmosphäre zu nutzen. Wieso sollte man sich auf den Umgang mit dem Unplanbaren im Unterricht nicht ebenso gut vorbereiten, wie auf die Vermittlung der Inhalte? Aus meiner Sicht bereiten Gestaltungsprozesse auf Unbekanntes, Ungewisses vor. Man übt darin Neues zu wagen, eigene Lösungswege zu bestreiten und den Umgang mit Un-Linearität.

Daniel Schuoler: Ja, ich denke auch, dass Kreativität gefragt ist, wenn Unvorhergesehenes auftaucht; und das tut es ja immer. Der schwierige Teil ist der, der eben nicht vorbereitet werden kann. Klar muss man wissen, was man machen möchte, wohin man will, aber das Risiko des eigentlichen Ereignisses des Unterrichts, die Begegnung, Aktion, Handlung, bleibt. Lernen ist meiner Ansicht nach auch das, was dazwischen passiert, dies ist nicht planbar, da muss man bereit sein. Ich finde aus der Praxis abgeleitete Modelle immer ein wertvolles Hilfsmittel, wenn es um Planungen von Lernprozessen geht. Modelle die einem durch ihre Struktur die richtigen Fragen stellen. An der PHSG arbeiten wir mit einem Phasenmodell, welches einen Aufbau bietet, aus einer Idee eine ganze Unterrichtsreihe mit Kompetenzaufbau zu konzipieren. Wir gehen von vier Phasen aus: in der Phase 1 wird das Vorwissen aktiviert und das Interesse für das Thema geweckt, in der Phase 2 werden die Kompetenzen aufgebaut, die noch zu den bereits vorhandenen nötig sind, um in der nächsten Phase möglichst selbstständig eine Entwickelnde Aufgabenstellung zu bearbeiten. Dies ist dann eine Fragestellung, die individuell, mit den aufgebauten Kompetenzen umgesetzt werden kann. In der vierten Phase werden die Prozesse analysiert und die Erkenntnisse und Erfahrungen ausgetauscht.

Regula Pöhl: Auch hier ist die Vorstellungsbildung zentral. Meine Idee davon, wie etwas aussehen soll oder wie es sich anfühlen soll, ist Treiber für meine Handlungen. Für das was ich mit meinem Verhalten zeige. Diesen Treiber beobachte ich auch bei den Kindern im Unterricht, wenn sie bei einem Gestaltungsprozess einer inneren Spur folgen.

Daniel Schuoler: Das heisst, im Zentrum steht also eine herausfordernde Frage, die mich fantasieren und mich etwas vorstellen lässt.

Wie kommt man auf konkrete Ideen für herausfordernde Fragestellungen im Unterricht?

Regula Pöhl: Die Inspirationen und Ideen dazu kommen bestenfalls aus dem Alltag, aus Bedürfnissen und Themen, welche sich zeigen. Der Lehrplan mit seinen Themenfeldern bildet die Orientierung. Wichtig dabei ist die konkrete Aufgabenstellung, welche einen individuellen Zugang und eine eigengestalterische Umsetzung ermöglichen soll. Es gilt dabei die Balance zu finden zwischen abgesteckten Rahmenbedingungen und Offenheit. Es werden Bedingungen für Möglichkeiten geschaffen. Nehmen wir das Beispiel der Aufgabe Papierstreifen/Dachlatte. Durch klare Bedingungen entsteht die Aufforderung eigene Lösungen und Ideen zu generieren und die Offenheit für individuelle Zugänge. 

Papier
80x420mm Papierstreifen
Möglichst das ganze Papier soll verwendet werden.
Das Tier soll deutlich erkennbar sein.

Möglichkeiten sehen, Lösungsvarianten ausdenken, sich etwas vorstellen, von der Fläche in den Raum, Dimension auflösen, transformieren.

Dachlatte
25x55x620 Fichte, gehobelt, keilverzinkt
Bearbeitung nur mit Handwerkzeugen. 
Latte sägen, spalten, Form verändern durch raspeln, feilen, schleifen und durch anwenden von Holzverbindungen neu kombinieren.

Lösungsvariante ausdenken, sich etwas vorstellen, teilen und neu zusammensetzen, formen, Dimension transformieren.

Foto Daniel Schuoler, Umsetzung von Studierenden der PH St. Gallen

kooperatives_

Krogerus Mikael, Tschäppeler Roman (2021): Machen, Eine Anleitung fürs Loslegen, Dranbleiben und zu Ende führen

  ‘Als die Welt noch jung war…’

ein interdisziplinäres Bildungsangebot.

Laut dem von Heike Ackermann im Modul 4 des Masters ‘Kulturelle Bildung an Schulen’ ausgeführtem Einblick in Forschungsresultate zu Kooperation in Schulen bezeichnet Kooperation eine Handlungsmodalität von Akteuren in einem Praxisfeld. Im schulischen Alltag lassen sich dazu drei Arbeitsprinzipien mit unterschiedlich hohem Anteil an Kooperativität beobachten.

AustauschArbeitsteilungKo Konstruktion
Gespräche im LehrerzimmerAustausch von Unterrichtsmaterialien  Unterrichtsvorbereitung in Teilbereiche gliedern je einzeln vorbereiten und für den Unterricht wieder zusammenfügen.Gemeinsame Konzeption von Unterricht.  

Die Ko Konstruktion ist dabei aus meiner Sicht eine vielversprechende Herangehensweise Bildungsinhalte immer wieder von Neuem zu bestimmen und zu initiieren. Sowohl in der Vorbereitung von Lerneinheiten wie auch als Haltung bei der Arbeit mit den Kindern in der Schule. Gemeinsames explorieren und sich einen Inhalt erschliessen, dabei werden unterschiedliche Expertisen und Sichtweisen auf ein Thema zusammengeführt. Die Erfahrungen, Kompetenzen und Bedingungen der beteiligten Personen werden berücksichtigt und eingebunden. Zwischen den Akteuren entsteht aus der Zusammenarbeit etwas Neues, das weder nur von der einen noch der anderen Seite zu schaffen ist.

Es stellt sich zu Beginn der Zusammenarbeit jeweils die Frage: Wer kooperiert mit wem und zu welchem Zweck? Welcher Wille ist dabei tragend und welches Ziel wird verfolgt?

Einblick in die Praxis:

Ein interdisziplinäres Begabungs- und Begabtenförderungsprojekt in den Bereichen Sprache, Musik und Gestaltung, mit folgender Ausrichtung: Unsere Fragestellung, welche der Kooperation zugrunde lag:

Wie werden die Kompetenzen eines Kindes in Kooperation und Kreativität unter Einfluss einer interdisziplinären Zusammenarbeit am Beispiel eines digitalen Buchprojektes aufgebaut und gefördert?

Das Projekt wurde im Rahmen des Lernforumsunterrichts auf der Primarschule in Rapperswil -Jona durchgeführt. Das Lernforum ist als Pull-Out-Angebot Teil des Förderkonzepts der Schule. Das Schaffen von Möglichkeitsräumen durch ästhetische Bildung, insbesondere dem Suchen und Finden eines individuellen Ausdrucks und der gezielte Aufbau von Kompetenzen im sprachlichen, musikalischen und gestalterischen Bereich stand im Zentrum. 20 Primarschulkinder der 3.-6. Klasse, welche einen Nachmittag pro Woche den Begabten- und Begabungsförderunterricht besuchen, sind Beteiligte des Projekts.

„Als die Welt noch jung war“ – mit dieser Aufforderung zum Phantasieren haben sich die Kinder über ein Semester lang auseinandergesetzt. Eigene Vorstellungen und innere Bilder wurden aufgebaut, Kompetenzen in der Bildgestaltung, im musikalischen Ausdruck und im sprachlichen Aufbau einer Geschichte wurden erworben und in einem regen Austausch, über die drei Lernforumsbereiche Sprache, Musik und Gestaltung weiterentwickelt. Durch das Entdecken und Erfinden von Welten in Worten und Texten, Melodien und Klängen, Bildern und Modellen, sowohl rezeptiv wie auch produktiv sind eigenständige Geschichten entstanden, welche mit analogen und digitalen Mitteln erarbeitet zu einer schlussendlich multimedialen Umsetzung führten. Die Geschichten wurden mit der App «bookcreator» erarbeitet. Dieses Programm ermöglicht eine Kombination von Tonaufnahmen mit Text- und Bildebenen. Die Geschichten wurden aussagekräftig dargestellt und durch die musikalische Ebene, haben sie an Tiefe und Mehrdimensionalität gewonnen. Eine starke erzählerische Qualität wurde erzeugt. Im Zentrum des Unterrichts stand die Sinnesbildung im digitalen Zeitalter. Es wurden Handlungsspielräume für die Erprobung der eigenen Kreativität, der Selbstwirksamkeit und der digitalen Möglichkeiten eröffnet. Es interessierte uns unter dem interdisziplinären Fokus die Bedingungen für ästhetische Erfahrungs- und Bildungsprozesse genauer zu betrachten. Wesentliche Beobachtungspunkte welche in diesem Projekt sowohl auf der Ebene der Kinder wie auch in der Kooperation der Erwachsenen aufgebaut und gefördert wurden.

  • Durch gegenseitiges Beobachten der unterschiedlichen Herangehensweisen in Sprache, Musik und Kunst wurden die Kinder und wir aufgefordert bewusst wahrzunehmen und zu reflektieren.
  • Der Kompetenzaufbau erfuhr durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit und den Austausch von unterschiedlichen Expertisen eine Intensivierung und Erweiterung.
  • Mit gezielten Übungen aus unterschiedlichen fachlichen Perspektiven wurde die Imaginationsfähigkeit, das Kultivieren der inneren Bilder und das Aktivieren von Assoziationsvermögen gestärkt.
  • Eindruck führte zu Ausdruck- Selbst Erfahrenes konnte die Darstellungsfähigkeit erhöhen.
  • Selbstbestimmte Handlungsspielräume boten Möglichkeiten des Kombinierens und Vernetzens.
  • Problemlöse-Strategien wurden handelnd aktiv mit unterschiedlichen Medien analog und digital geübt, da die Kinder über unterschiedliche Kompetenzen verfügen, konnten sie gegenseitig voneinander profitieren.

Einige Arbeiten, die entstanden sind:

Making off: